Bautrocknung
Wie lange dauert die Trocknung nach einem Wasserschaden?
Die ehrliche Antwort lautet: das entscheidet nicht der Kalender, sondern das Messgerät. Ein Trocknungsauftrag endet nicht nach einer vereinbarten Frist, sondern wenn die Restfeuchte im Bauteil wieder im Normalbereich liegt. Trotzdem gibt es Erfahrungswerte, an denen Sie sich orientieren können.
Zwei Wochen
Massives Mauerwerk und Dämmung aus Polystyrol. Das sind die Regelzeiten aus der VdS-Richtlinie 3150, an der sich die Versicherer orientieren.
Zwei bis drei Wochen
Hohlblocksteine. Die Hohlräume halten Feuchte länger, als die Oberfläche vermuten lässt.
Vier bis acht Wochen
Beton und Estrich, vor allem bei Bodenplatten. Hier ziehen sich Trocknungen am längsten, und hier wird auch am häufigsten zu früh abgebrochen.
Wer die Geräte abstellt, weil die Wand sich trocken anfühlt, riskiert Schimmel in der Dämmebene. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass das Ende der Trocknung über gemessene Restfeuchte bestimmt wird und nicht über eine Frist.
Verfahren
Raumtrocknung oder Dämmschichttrocknung
Wo das Wasser sitzt, entscheidet über die Technik. Steht es nur im Raum und in den Oberflächen, reicht Raumtrocknung: Kondenstrockner entziehen der Luft Feuchte, Ventilatoren sorgen dafür, dass die Luft an den nassen Flächen entlangstreicht.
Ist Wasser dagegen unter den Estrich in die Dämmschicht gelaufen, hilft das nichts. Dann wird gebohrt und die Dämmschicht wird über die Bohrungen im Überdruck- oder Unterdruckverfahren durchströmt. Das ist der Fall, der aus einer scheinbar kleinen Pfütze im Bad einen mehrwöchigen Auftrag macht, und es ist der Grund, warum Sie beim ersten Anruf sagen sollten, welcher Bodenbelag verlegt ist.
In Kellern mit hoher Luftfeuchte und niedriger Temperatur arbeiten Kondenstrockner schlechter. Dort kommen Adsorptionstrockner zum Einsatz, die auch bei Kälte ziehen.
Kosten
Was die Trocknung kostet, und woraus sich das zusammensetzt
Abgerechnet wird nicht nach Quadratmetern, sondern nach Gerätetagen und Stromverbrauch. Die Gerätemiete liegt je nach Bauart bei wenigen Euro bis rund 15 Euro am Tag. Entscheidend ist also weniger der Tagespreis als die Zahl der Geräte und die Dauer.
Der Strom ist der Posten, den fast alle unterschätzen. Ein Trocknungsgerät zieht je nach Größe rund 300 bis 2.100 Watt, das sind etwa 7 bis 50 Kilowattstunden am Tag. Bei fünf Geräten über zwei Wochen kommen dabei schnell mehrere hundert Euro zusammen, und dieser Strom läuft über Ihren Hausanschluss.
Deshalb verlangt die VdS-Richtlinie 3150 einen eigenen Zähler je Trocknungsgerät. Nur mit diesem Nachweis lässt sich der Verbrauch später gegenüber der Versicherung abrechnen. Achten Sie darauf, dass die Zähler gesetzt und die Anfangsstände notiert werden, bevor die Geräte laufen. Fehlt das, zahlen Sie den Strom am Ende selbst.
Messung
Woran man erkennt, dass wirklich trocken ist
Ein Bauteil kann sich trocken anfühlen und innen noch nass sein. Deshalb wird gemessen, und zwar an denselben Stellen wie zu Beginn, damit die Werte vergleichbar bleiben. Üblich sind drei Wege.
- Widerstandsmessung. Zwei Elektroden werden ins Material gesetzt, gemessen wird der elektrische Widerstand. Schnell und zerstörungsarm, aber empfindlich gegenüber Salzen im Mauerwerk.
- Kapazitive Messung. Das Gerät wird nur aufgelegt und misst wenige Zentimeter tief. Gut, um Feuchtenester zu suchen, ungeeignet als alleiniger Nachweis.
- CM-Messung. Eine Materialprobe wird entnommen und im Druckbehälter mit Karbid zur Reaktion gebracht. Aufwendig, dafür der belastbarste Wert und das, was Sachverständige sehen wollen.
Lassen Sie sich das Trocknungsprotokoll aushändigen, mit Anfangs- und Endwerten je Messstelle. Das ist Ihr Beleg gegenüber der Versicherung und gegenüber einem Käufer, falls das Haus später verkauft wird.
Alltag
Was Sie während der Trocknung beachten sollten
Die Geräte laufen durch, auch nachts. Das ist kein Versehen: jede Abschaltung verlängert die Trocknung, weil das Material aus der Tiefe nachfeuchtet. Halten Sie Fenster und Türen zu den betroffenen Räumen geschlossen, sonst arbeitet der Trockner gegen die Außenluft an.
Heizen hilft, weil warme Luft mehr Feuchte aufnimmt. Kühle Räume verlängern die Trocknung spürbar. Wo der Lärm der Geräte das Wohnen unzumutbar macht, kann bei Mietwohnungen eine Mietminderung in Betracht kommen, dazu steht mehr im Ratgeber zur Versicherung.
Und ein Punkt, der oft zu spät kommt: räumen Sie vor Beginn aus, was noch zu retten ist. Nasse Möbel, die zwei Wochen im geschlossenen Raum stehen, sind danach in aller Regel ein Fall für die Entsorgung, auch wenn sie den Schaden selbst überstanden hätten.
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Wer am Ende zahlt, steht im Ratgeber zu Versicherung und Mietminderung. Wie ein verstecktes Leck überhaupt gefunden wird, steht unter Leckortung. Für nasse Keller gibt es einen eigenen Text zum Wasserschaden im Keller.
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